Alltag mit Kindern

Wieviel Geld ist für mein Kind angemessen?

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Irgendwann stellen sich die meisten Eltern folgende Frage:

Wieviel Taschengeld ist für mein Kind angemessen?                 

Es wird auf google nach Empfehlungen und Taschengeldtabellen gesucht und Klassenlehrer geben Tipps, wieviel Taschengeld Ihrer Meinung nach angemessen sei.

Ich kenne Lehrkräfte, die 1-2 Euro/Woche für Erst- und Zweitklässler für angemessen halten und schwören die Eltern darauf ein, sich bitte unbedingt an die Empfehlung zu halten um ein Ungleichgewicht innerhalb der Klasse zu vermeiden.
Aber ganz ehrlich: Die Kinder unterhalten sich doch darüber, wer was in seiner Freizeit unternimmt. Da gibt es Kinder, die noch nie im Kino waren. Andere sind ständig on Tour. Der eine feiert seinen Kindergeburtstag im Indoorspielplatz, Kino oder im Freizeitpark, während andere zu Hause Spiele spielen oder etwas basteln. Aber nicht nur bei besonderen Anlässen wie Geburtstagsfeiern bekommen die Kids einen Einblick in das Leben ihrer Spielkameraden. Auch bei den Playdates wird ihnen vor Augen geführt, wer welchen Lebensstil führt. Die einen Eltern verfügen über mehr Geld, die anderen haben weniger, aus welchen Gründen auch immer. Gleichstellung gibt es also nicht, da müssen wir unseren Kindern nichts vormachen. Weder im Schulalter, noch später im Berufsleben.

Über welchen der oben genannten Lebensstile verfügst Du aktuell und was wünscht Du Dir für Dein Kind in Bezug auf Finanzen?
Da können Antworten dabei sein wie:

Mein Kind soll es besser haben als ich

… keine Geldsorgen  haben

… unabhängig sein

…finanziell frei oder gar reich sein

 

Wir alle wünschen unseren Kindern ein sorgenfreies und wenn möglich vermögendes Leben, auch wenn wir selbst vielleicht nicht vermögend sind. Was können wir unseren Kindern also mit auf den Weg geben, damit unsere Kinder zumindest einen Grundstein haben, um sich in der Erwachsenenwelt und der Welt der Finanzen zurecht zu finden?
Du denkst Dir vielleicht, dass Du gut mit Geld umgehen kannst, also werden es Deine Kinder auch. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen wie unterschiedlich innerhalb einer Familie mit Geld umgegangen werden kann. Wie jedes Kind innerhalb einer Familie unterschiedlich ist, ist deren Umgang später mit seinen Finanzen. 

 

In meinen 22 Jahren im Bankgewerbe habe ich zahlreiche Kontoüberziehungen bearbeitet, Selbstauskünfte gelesen und Jahresabschlüsse analysiert um über Finanzierungsanfragen zu entscheiden.
Gut in Erinnerung sind mir die Kontoüberziehungen zu Beginn meines Berufslebens geblieben. Jeden Morgen gab es eine Liste mit 30- 60- 90 Tage Überziehungen, die es zu bearbeiten galt. Zu jedem einzelnen Kunden durfte ich die Umsätze prüfen und dokumentieren wann und woraus voraussichtlich die Rückführung erfolgt. Dabei ist mir aufgefallen, dass gerade junge Leute, die regelmäßig mit Überziehungen zu kämpfen hatten, noch weniger als andere auf ihre Ausgaben achteten. Gebührenpflichtige Geldabhebungen an fremden Geldautomaten, Pay-TV (damals gab es nur Premiere- heute Sky für alle jüngeren unter Euch) und Ratenzahlungen, vornehmlich für Elektronikartikel, weil 0% Finanzierungen einfach zu reizvoll für viele erscheinen, waren an der Tagesordnung. Und so kommt zum Smartphone noch die Fernsehfinanzierung, die Couch und der kommende Urlaub hinzu, der noch 2 Jahre später abbezahlt wird. Flitterwochen werden gecancelt, weil auf der Hochzeitsfeier die Geldgeschenke nicht ausreichend hoch genug ausfielen.

 

Soll ich Euch einmal verraten, wie wir Banker zu Kontoüberziehungen stehen? Es ist vergleichbar mit einem Bäckerbesuch. Nur dass Du anstatt zu bestellen und anschließend zu bezahlen, einfach hinter den Tresen gehst und Dich ungefragt nach Belieben bedienst. Irgendwann kommst Du dann wieder und bezahlst Deine Brötchen. Vielleicht bezahlst Du auch nur ein paar Brötchen und nicht alle.  Ein paar Tage später ist wieder Wochenende, Du möchtest wieder Brötchen (oder Abends ausgehen) kommst also wieder und bedienst dich von neuem (hebst Geld am Geldautomaten ab, das Du nicht hast) . Und so geht das Spiel unendlich weiter. Es wurde nie gelernt zu haushalten und mit dem zurecht zu kommen, was man hat. Oder sich ernsthaft zu überlegen wie die Einnahmen erhöht und/ oder Ausgaben reduziert werden können.

Wie schaffen wir es nun, dass unsere Kinder später verantwortungsvoll mit ihrem Geld umgehen und ihnen Finanzsorgen erspart bleiben?

 

Wenn wir uns an die Taschengeldempfehlung der Lehrerin von oben erinnern und 1-2 Euro/ Woche ausbezahlen, nehmen wir unseren Kindern die Möglichkeit Erfahrungen zu sammeln und sich auszuprobieren. Denn 1 Euro reicht nur für irgendeinen Quatsch an der Supermarktkasse.  Wie können wir unsere Kinder motivieren auf etwas hinzusparen, wenn das Begehrte gefühlt unerreichbar ist?  Sicherlich kennst Du die in Plastik eingeschweißten Kinderzeitschriften mit dem „langlebig- hochwertigen“ Spielzeug darin.  Auf diesen Wunsch müsste 5 Wochen hingespart werden, wenn ein Kind 1Euro/Woche erhält. Nicht nur, dass 5 Wochen eine sehr lange Zeit für ein Kind ist, die Zeitschrift wird bis dahin gar nicht mehr im Handel verfügbar sein. Das Sparziel wirkt also unerreichbar und es wird häufig erst gar nicht begonnen.

 

Ohne Frage, es sollte also ein wenig mehr sein als 1 Euro in der Woche.

Ich kenne Deine Familiensituation nicht und kann daher keine Empfehlung aussprechen. Das darf jede Familie für sich entscheiden. Wir haben beispielsweise mit 1 Euro am Tag gestartet.
Montags ist das Taschengeld im Wochenplaner angepinnt um es nicht zu vergessen und es wurden 7 Euro jede Woche in Münzen ausbezahlt. In Münzen deshalb, um verschiedene Sparziele zu erreichen und das Geld aufteilen zu können.

Das 4 Konten Modell hat sich hier bewährt und ist ein guter Start um sein Taschengeld sinnvoll zu gliedern:

 

Wir legen uns also 4 Spardosen zurecht. Es gibt eine Vielzahl an bunten, schönen Sparschweinen zu kaufen. Oder Ihr gestaltet selbst Dosen oder Schachteln indem ihr sie gemeinsam mit Euren Kindern nach deren Wünschen bemalt oder mit Bildern beklebt.

 

Eine Spardose dient kurzfristigen Wünschen. Hiervon kann spontan etwas gekauft werden wie eine Süßigkeit, Zeitschrift oder das Spielzeug, die passenderweise im Kassenbereich des Supermarktes plötzlich auftauchen. ( Im Erwachsenenalter sind das unsere spontanen Restaurant- und Kinobesuche)

 

Das nächste Sparschwein ist für mittelfristige Wünsche und Ziele gedacht, die etwas kostenintensiver sind. Das kann ein Lego-Set oder Computerspiel sein. Die Liste wäre wohl unendlich. ( Im Erwachsenenalter sind das so ziemlich alle Anschaffungen die das Leben schöner machen. Vom Urlaub bis zur 1. Wohnungsausstattung oder das neueste Smartphone)

 

Langfristig sollte auch an das Alter gedacht werden. Wenn wir uns eine weitgehend gleiche Lebensqualität im Ruhestand wünschen, wird die gesetzliche Rentenversicherung nicht ausreichen. Wer also früh startet wird mit einer geringen Sparrate belohnt, da uns der Zinseszinseffekt in die Hände spielt.

Nun kann ein Kind aus seinem Taschengeld noch keine 50 Euro monatlich für seine Rente zurücklegen. Wichtig ist ein Bewusstsein zu schaffen und von Anfang an etwas beiseitezulegen. Was ebenfalls in dieses Ziel einzahlt und etwas besser zu greifen ist, wäre eine eigene Immobilie um im Rentenalter Mietfrei zu wohnen. Meine Tochter träumt sich z.B. gerne in ihre eigene Villa, die sie später haben wird.

Als letztes dürfen wir nicht vergessen, dass Geld nicht nur ein Tauschmittel ist, sondern dass wir auch gutes damit tun können. Wer Geld hat, darf auch gerne geben. Wir legen noch etwas für Geschenke und Spenden zurück. Kinder können ihren Freunden, Geschwistern und Eltern eine Kleinigkeit kaufen. Oder beim Wocheneinkauf eine Dose Tierfutter für das Tierheim mitnehmen und spenden.

Sucht einfach nach Interessen Eures Kindes und schaut, wo ihr unterstützen könnt. Im Erwachsenenleben kann es dann z.B.  die Übernahme einer Patenschaft sein, egal ob Tier oder Mensch.

 

Wie gesagt, nicht jede Familie kann sich ein Taschengeld in dieser Größenordnung leisten und ist bei mehreren Geschwistern sicherlich nicht einfach umzusetzen. Wer aber die Möglichkeit hierzu hat, darf es gerne als Einladung sehen, ob das Taschengeld künftig in dieser oder ähnlichen Weise aufgeteilt wird.

 

Im Teenageralter können wir die Verantwortung an unsere Kinder ausbauen und neben Freizeitaktivitäten die Schulmaterialien und Kleidung selbst kaufen lassen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich 150 DM Taschengeld im Monat bekommen habe und mir meine Kleidung hiervon selbst bezahlen musste. Nicht nur, dass ich verantwortungsbewusster mit meiner Kleidung umging. Ich habe mir auch 3x überlegt ob es die Levis für 150 DM sein musste oder ob es eine andere Jeans auch tut.

 

Deine Melanie Wolff

 

Dipl. Bankbetriebswirtin und Inhaberin von Wolffkids

Die liebe Melanie ist Inhaberin des Shops “ Wolffskids“ und ich muss dir sagen, wir nutzen ihr System schon lange und sind so begeistert!

Ich lade dich ein, hier mal vorbei zu schauen! Hier geht es zu ihrer Webseite mit einem großartigen System für Kinder welches du  benutzen solltest:  Auf zu Wolffskids!

Hier blende ich dir mal alle Vorteile ein, die ich wirklich nennenswert finde!

 

 

 

 

Viel Spaß beim Störbern! Und solltest du die Fantasie noch weiter fördern wollen schau und bedingt bei DIESEM Blogartikel vorbei. Solltest du nicht verpassen!

 

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Ergoling

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1 Kommentar

  1. Saskia says:

    Was für ein toller Blogartikel. Vielen Dank für das viele Input und vor allem, dass du Perspektiven von uns Erwachsenen mit hinzugezogen hast. Die Idee mit den verschiedenen Spardosen ist wundervoll und ich denke durch diese „Methode“ des Umgangs mit dem Taschengeld können Kinder viel lernen.

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